VON 0 AUF 100 IN DIE POLE POSITION – DIE KERAMIKERIN ANN VAN HOEY

Schnittig, elegante Kurven und das typische Ferrari- Rot – dies ist nicht etwa die Beschreibung eines Sportwagens, sondern eines Kunstobjektes aus der Sammlung des HETJENS.

Bewundern kann man es seit geraumer
Zeit in der Dauerausstellung zur zeitgenössischen
Keramikkunst. Die Schöpferin des
Werkes ist die Belgierin ANN VAN HOEY. Anlässlich
ihres 20-jährigen Werkstatt-Jubiläums gewährte sie
dem HETJENSJOURNAL einen faszinierenden Einblick
in ihr Keramik-Studio.
Dass ANN VAN HOEY eine erfolgreiche Keramikwerkstatt
leiten würde, war zunächst nicht vorauszusehen.
Bis zu ihrem 50. Lebensjahr arbeitete sie in der
männerdominierten Wirtschaftsbranche. Eine innere
Leidenschaft zog sie jedoch zur Keramik. Sie ließ sich
am Institute for Arts and Crafts in Mechelen (Belgien)
ausbilden und fand schnell ihren eigenen Stil. Ihr Interesse
für Mathematik und klare Formen  ndet sich auch
in ihren Werken wieder. „Meine erste Serie von fünf
Objekten, stellte für mich eine Verbindung zwischen
dem Kreis und dem Quadrat, dem Dreieck, der Linie
und dem Punkt dar“, erklärt Ann van Hoey.
Durch Schnitte in die Gefäßwandung und Faltungen
werden die dünnwandigen großen Schalen einer mathematischen
Ordnung entsprechend deformiert und
zu eigenständigen Kunstwerken zusammengesetzt.
Auf ihr kreatives Scha en nahmen auch äußere Umstände
Ein uss. „In der Welt der Keramik bekam ich
sofort gute Resonanz auf meine Arbeit, aber in der Welt, in der ich davor zu Hause war, nahm niemand
Notiz davon. Sie schauten sich meine Arbeit nicht
einmal an“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „Ich beschloss,
meine Tongefäße mit etwas zu kombinieren,
was sie kannten und sie faszinierte: Sportwagen. Ich
entschied mich für Ferrari-Rot und -Gelb, die Farben,
die auch für Formel-1-Autos verwendet werden. Es war
einfach ein Schrei nach Aufmerksamkeit, und ich muss
sagen, es hat geholfen.“
Heute ist Ann van Hoey in den Sammlungen zahlreicher
renommierter Museen vertreten. Sie hat ihre
Kunst weiterentwickelt ohne ihre Authentizität als
Künstlerin zu verlieren. Diesen Rat würde sie auch
Keramiker*innen geben, die gerade dabei sind eine
eigene Werkstatt aufzubauen. „Man sollte sich die Zeit
nehmen, die eigene Sprache im Ton zu  nden, anstatt
zu früh zu versuchen, einem Markt zu gefallen.“

Das kaiserliche Prinzenpaar von MAKIMASA IMAI ist von Hand aufgebaut und erinnert an die traditionellen Puppen, die auf einer Treppe angeordnet den kaiserlichen Hofstaat abbilden und jedes Jahr am 3. März zur Feier des Mädchenfestes, dem HINA MATSURI, in japanischen Familien von den Töchtern aufgestellt werden. Während der Edo-Zeit (1603-1868) etablierte sich der Glaube, dass die Puppen schützende Eigenschaften besitzen und böse Geister von den Kindern fernhalten konnten.

MAKIMASA IMAI brennt seine Keramiken ausschließlich mit Holz in einem Hangofen, da diese traditionelle Brenntechnik für ihn die besten Ergebnisse hervorruft und der Vielseitigkeit des Tons besonders entgegenkommt. Seine so entstandenen  gürlichen Arbeiten treten in einen Dialog mit dem Betrachter und der Umgebung, in der sie aufgestellt werden.